Wege finden ohne Google Maps: OpenStreetMap

Dieser Artikel stammt aus dem Jahr 2015 und ist daher potentiell veraltet. Schauen Sie doch mal in unseren aktuelleren Adventskalender oder bei der digitalen Selbstverteidigung.

Wir befinden uns im Jahr 2015 nach Christus. Die ganze Welt nutzt Google Maps. Die ganze Welt? Nein! Denn es gibt Alternativen, bei denen die Software quelloffen ist und die Daten der Allgemeinheit gehören.

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Heute haben wir Ihnen eine interessante Alternative zur Navigation und für Kartendienste in den Adventskalender gepackt, die frei und offen ist und zum Mitmachen einlädt: OpenStreetMap.

Während die Römer, Asterix und Obelix sich noch anhand der Sterne orientierten, ist digitale Navigation ein Teil unseres Alltags geworden, sei es mit dem Navigationssystem im Auto, unterwegs auf dem Smartphone oder zu Hause im Browser. Und auch hier scheint kein Weg an Googles Allgegenwärtigkeit vorbeizuführen: Google Maps setzte Maßstäbe und wird vom Großteil der Nutzer.innen verwendet – mit den bekannten Risiken und Nebenwirkungen aller Google-Produkte, denn auch hier sammelt der Technologie-Konzern Daten, um seine Datenbanken aufzufüllen.

Oft ist es schwer, eine brauchbare Alternative zu den bequemen Google-Diensten anzubieten. Doch der Verzicht auf Google Maps fällt wirklich nicht schwer. Denn zum Glück gibt es OpenStreetMap – für das Handy auch im Ausland sogar ohne teure Datenverbindung nutzbar.

OpenStreetMap

Ähnlich wie in der Wikipedia werden die Kartendaten von OpenStreetMap (OSM) von den Nutzer.innen zusammengetragen und auf aktuellem Stand gehalten. OSM wird bereits von mehr als 2,3 Millionen registrierten Nutzer.innen bearbeitet, weiterentwickelt und verbessert. Die Karten sind durch die Mitarbeit vieler Enthusiasten beeindruckend detailliert und präzise. Insbesondere Hausnummern und Wege in Parks oder anderen spezielleren Gebieten sind häufig sehr viel präziser als bei Google Maps. Dies führt beispielsweise dazu, dass sogar Wanderwege in den bayrischen Alpen verfügbar sind, bei denen Google Maps das Flugzeug empfehlen würde.

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Und das Tolle ist: Da das gesammelte Material frei ist, konnten daraus viele Folgeprojekte entstehen – zum Beispiel Fahrradkarten oder ÖPNV-Karten. Und was viele nicht wissen: Zunehmend werden sogar Gebäudehöhen und -formen in OSM erfasst. Es gibt bereits eine erstaunliche 3D-Ansicht zu betrachten.

Quo vadis? - Navigation mit OpenStreetMap

OpenStreetMap stellte zunächst „nur“ das Kartenmaterial zur Verfügung. Seit Februar 2015 wird auch Routenplanung angeboten, wofür bis dahin externe Dienste verwendet werden mussten, die auf OpenStreetMap aufbauen. Mitunter möchte man sie heute noch direkt nutzen:

  • Graphhopper ist ein auf Java basierendes Open-Source-Projekt. Das Web-Interface ist schlank, schnell und kommt ohne Plugins aus. Ein nettes Gimmick ist das Höhenprofil für geplante Routen.

  • Open Source Routing Machine (OSRM) ermittelt den kürzesten Weg zwischen zwei Punkten und ist auf OpenStreetMap-Karten optimiert. Es wurde u.a. vom Karlsruhe Institute of Technology (KIT) betreut. Leider wird es nicht über eine verschlüsselte Verbindung angeboten.

  • Skobbler wurde ursprünglich von einer deutschen Firma entwickelt und Anfang 2014 von dem US-Unternehmen Telenav gekauft. Ein Blick in die Datenschutzrichtlinien lohnt, denn es gibt Kritik, dass Nutzerdaten gesammelt werden, um den Service zu verbessern. Leider wird es nicht über eine verschlüsselte Verbindung angeboten.

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  • Yet another OpenStreetMap Route Service (YOURS) ist ein weiteres Open-Source-Projekt. Nach eigenen Angaben funktioniert die Navigation bereits gut in den USA, Großbritannien, den Niederlanden und Deutschland. Leider wird es nicht über eine verschlüsselte Verbindung angeboten.

  • MapQuest bietet seit 2010 auf OpenStreetMap basierende Navigation an. MapQuest gehört zu AOL und unterliegt den entsprechenden Datenschutzbestimmungen. Leider wird es nicht über eine verschlüsselte Verbindung angeboten.

  • OpenRouteService wird von der Universität Heidelberg entwickelt und angeboten. Leider wird es nicht über eine verschlüsselte Verbindung angeboten. Im Testbetrieb sind zur Zeit Routen für Rollstuhlfahrende.

Für spezielle Regionen und Anwendungen, wie zum Beispiel Wander- oder Fahrradtouren, gibt es weitere Webseiten. Stöbern lohnt sich!

Orientierung und Navigation to go

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Auch unterwegs muss man auf freies Kartenmaterial nicht verzichten, denn OpenStreetMap wird von unüberschaubar vielen Apps (z.B. für Android und für iOS) verwendet und unterstützt. Das Kartenmaterial kann außerdem auf dem Smartphone gespeichert werden, so dass die Navigation unabhängig von einer Datenverbindung ist. Das ist besonders im Ausland praktisch, wenn das Datenvolumen begrenzt und teuer ist.

Weit verbreitet ist u.a. die freie und quelloffene App OsmAnd, die On- und Offline-Navigation unterstützt und in einer abgespeckten Version kostenlos ist. Wer F-Droid verwendet, wird sogar belohnt und bekommt kostenlos die Version ohne Einschränkungen. Für Wanderer empfehlen wir, auch die Höhenlinien und die Relief-Schattierungen herunterzuladen und die „Touring View (more contrast and details)“ einzustellen. Diese versteckt sich in den Einstellungen „Anzeige konfigurieren“ im Abschnitt „Kartenanzeige“ hinter „Kartendarstellung“. Leider verzichtet OsmAnd nicht ganz auf Tracking: Informationen über Ihr Gerät werden auf einen Server hochgeladen, wenn Sie sich die Liste installierbarer Karten anzeigen lassen.

Ebenfalls nur im alternativen App-Store F-Droid bekommen Sie eine Variante der Offline-Karten-App MAPS.ME, die Ihre Aktivitäten nicht ungefragt an die Cloud verrät.

Auch hier lohnt es sich, verschiedene Apps auszuprobieren und nach den eigenen Bedürfnissen und Ansprüchen zu entscheiden. openstreetmap.de hat dafür eine schöne Einstiegsseite.

Wo liegen Babaorum, Aquarium, Laudanum und Kleinbonum?

Wenn Sie demnächst Ihre Weihnachtsfeier organisieren und den Kolleginnen, Freunden und Vereinsmitgliedern den Ort des Geschehens mitteilen wollen, verzagen Sie nicht! Denn auch das Setzen eines Kartenmarkers und das Extrahieren von Links auf Adressen ist mit OpenStreetMap problemlos möglich. Und auf der eigenen Website kann man die Karte einbinden, ohne Furcht haben zu müssen, von Google verklagt zu werden, denn OpenStreetMap erlaubt uneingeschränkt sowohl die private als auch die gewerbliche Nutzung. Falls Sie eine Anfahrtskizze oder einen Lageplan brauchen, ist das auf einem OpenStreetMap-Hintergrund mit uMap schnell in professioneller Qualität realisiert. Noch leichter ist es, Fehler zu korrigieren – wenn zum Beispiel die Kneipe nebenan einen neuen Namen bekommen hat. Probieren Sie es aus!

Auch wenn wir Ihnen den Termin unserer Weihnachtsfeier nicht verraten, Digitalcourage finden Sie in der Markstraße 18 in der Bielefelder Innenstadt.

...oder eben mit Hand und Fuß

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Auch wenn Sie elektronische Geräte lieber nicht mit auf Ihre Ausflüge nehmen oder sich für den Akku-leer-Fall rüsten wollen, hilft OpenStreetMap: Auf 4UMaps können Sie sich Stadtpläne und andere topographische Karten in hoher Qualität selbst ausdrucken. Oder verlassen Sie sich unterwegs auf die Hilfsbereitschaft Ihrer Mitmenschen. Wer weiß, was sich daraus ergibt... Denn Umwege erhöhen bekanntlich die Ortskenntnis.


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Änderungen seit 2014:

Hinweis: Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht, auch nicht durch unsere Empfehlungen. Programme können unentdeckte Fehler haben, und Datenschnüffeltechniken entwickeln sich weiter. Bleiben Sie wachsam!
Der Artikel ist auf dem Stand vom 01.12.2015. Sollten Sie Fehler finden, Ergänzungen haben oder Empfehlungen bei Ihnen nicht funktionieren, geben Sie uns Bescheid.

Links:
openstreetmap.org
openstreetmap Deutschland
Firefox-Addon
Wikipedia: OpenStreetMap

Bilder
Screenshot von https://www.openstreetmap.de/karte.html
Türchengrafik: Fabian Kurz CC BY SA 4.0
Türchenbild: OpenStreetMap CC BY-SA 2.0