Es geht auch ohne Google – Alternative Suchmaschinen

Das Internet scheint alles zu wissen – man muss es nur finden. Inzwischen suchen wir online nach Geschenktipps, Rezepten, Bildern, Anfahrtswegen, Krankheiten und so weiter. Dabei hinterlässt jede Suchanfrage Datenspuren, für die sich viele Firmen interessieren. Die große Mehrheit der Deutschen benutzt Google als Suchmaschine. Das verbreitetste Verb für die Suche im Internet ist „googeln“. Dabei gibt es viele Alternativen.

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Wir wollen nicht bestimmte Suchmaschinen empfehlen, sondern zeigen, wie unterschiedlich Suchdienste mit Daten umgehen und wie sich diese Angebote finanzieren. Die Studie „Durchleuchtet, analysiert und einsortiert“ erklärt „Das Geschäft mit unseren persönlichen Daten: Von Adresshandel und Scoring“. Wer sich diese Studie angesehen hat, nutzt sicher nicht mehr jede Suchmaschine. Wenn Sie wissen, was die Suchmaschinen mit Ihren Daten machen, ist das ein wichtiger Schritt in Richtung digitaler Mündigkeit. Grundsätzliche Informationen zu Suchmaschinen finden Sie zum Beispiel bei der Universitätsbibliothek Bielefeld. Die Seite erklärt unter anderem den Unterschied zwischen allgemeinen Suchmaschinen, Meta-Suchmaschinen und Spezialsuchmaschinen. Zum Thema Datenschutz wird wenig gesagt. Deshalb haben wir die Datenschutzrichtlinien einiger Suchdienste unter die Lupe genommen und die Seiten alphabetisch aufgelistet.

Seiten zum Suchen auf einen Blick

(alphabetisch sortiert)

  • DeuSu arbeitet werbefrei und wird ausschließlich durch Spenden finanziert. DeuSu betreibt einen eigenen Suchindex, während Meta-Suchmaschinen die Suchergebnisse anderer (z.B. Google oder Bing) nutzen. Das Thema Suchindex erklären wir weiter unten.

  • duckduckgo.com unterhält einen Suchindex, speichert nach eigenen Angaben keine IP-Adressen und leitet Suchanfragen so weiter, dass die Zielseite keine Informationen über Suchbegriffe erhält, die Sie eingegeben haben. Darüber hinaus kann man via Kürzel verschiedene Websites bequem direkt ansurfen. Wenn es möglich ist, leitet DuckDuckGo immer auf Seiten mit „HTTPS“-Verschlüsselung um – ähnlich wie das Firefox-Plugin „HTTPS-Everywhere“. DuckDuckGo arbeitet mit verschiedenen Online-Shops zusammen und erhält Geld, wenn Suchanfragen zum Kauf führen. Weitere Angaben zum Umgang mit Daten finden Sie online. Wie alle Seiten mit Sitz in den USA, unterliegt DuckDuckGo dem Patriot Act mit kritischen Auswirkungen auf den Datenschutz, wie unter anderem heise online aufgearbeitet hat.

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  • eTools.ch ist wie metager.de eine Meta-Suchmaschine, die verspricht, keine persönlichen Daten zu speichern. Wir empfehlen, in den Präferenzen „HTTPS“ und die Methode „POST“ zu aktivieren, damit der Suchausdruck nicht in der URL erscheint (wie ixquick.eu und startpage.com es vormachen).

  • ixquick.eu ist eine Meta-Suchmaschine über Gigablast, Yandex und Yahoo, die 2008 vom Europäischen Datenschutzbeauftragten Peter Hustinx das erste Europäische Datenschutzgütesiegel „EuroPriSe“ erhielt. Mehr dazu steht auf der Seite vom Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein. ixquick.eu erklärt sehr gut verständlich ihre Datenschutzrichtlinien, deren Lektüre wir empfehlen können. Die Seite finanziert sich über gesponserte Treffer auf den Ergebnisseiten.

  • metager.de wird vom SUMA-EV – Verein für freien Wissenszugang – mit Sitz in Hannover entwickelt. Metager speichert nach eigenen Angaben weder Ihre IP-Adresse noch den „Fingerabdruck“ Ihres Browsers, verzichtet auf Tracking und bietet einen Zugang über das anonyme Tor-Netzwerk. Die sehr übersichtlich aufgelisteten Infos zu Datenschutz und Privatsphäre können auf der Seite eingesehen werden. Metager wird finanziert über Spenden, Fördermitgliedschaften und Text-Werbe-Links. Übrigens: Die Betreiber der Seite können mit PGP-Verschlüsselung kontaktiert werden. Seit August 2016 ist die eingesetzte Software unter einer freien Lizenz kostenlos erhältlich.

  • searx ist eigentlich kein Dienst, sondern freie Software, mit der man auf dem eigenen kleinen Linux-Server eine schlanke Meta-Suchmaschine aufsetzen kann. Sie verspricht, die Privatsphäre zu respektieren. Es gibt eine Liste öffentlicher searx-Knoten zum Ausprobieren.

  • startpage.com ist die Schwesterseite von ixquick, bezieht aber ihre Suchergebnisse von Google. Sie gehört ebenfalls dem niederländischen Unternehmen Surfboard Holding B.V. und verdient nach eigenen Angaben mit „eindeutig gekennzeichneten, gesponserten Links“ Geld. Die Datenschutzrichtlinien sind dieselben wie bei ixquick. Teilweise stehen Server von startpage in den USA und unterliegen damit wie DuckDuckGo dem Patriot Act. In den Sucheinstellungen kann man den Serverstandort (EU oder USA) mittlerweile selbst wählen.

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  • YaCy.net ist ein dezentrales Suchkollektiv auf Basis einer freien Suchmaschinensoftware. „YaCy läuft nicht auf einem Server im Internet, sondern auf Ihrem eigenen Rechner“ und strebt Informationsfreiheit an, indem alle Nutzer.innen zu einem verteilten Suchindex beitragen. Laut eigenen Angaben werden keine Nutzerdaten gesammelt, und Zensur ist dadurch erschwert, dass der Index verteilt und der Quellcode öffentlich ist. YaCy wird vom SUMA-EV – Verein für freien Wissenszugang – mit Sitz in Hannover unterstützt. Nachdem Download und dem Starten der Java-Software kann man den eigenen YaCy-Knoten so komfortabel wie andere Suchmaschinen per Webbrowser benutzen.

  • yandex.com erklärt unverständlich, wie mit Daten umgegangen wird. Die Seite sammelt in Kooperation mit Partnern Daten zur Verbesserung des Angebots und zum Schutz der Rechte ihrer Nutzer.innen und Partner. Das verstehen wir nicht, weshalb wir diese Suchmaschine nicht für den regelmäßigen Gebrauch empfehlen. Weil es aber so wenige Suchmaschinen mit eigenem Index gibt, kann sie für einen Blick über den Google-Rand nützlich sein. Einen Einblick in die Geschichte des russischen Unternehmens gibt der Wikipedia-Artikel zu Yandex.

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Schauen Sie genau hin, wenn Sie eine Suchmaschine wählen.

Das Problem mit Google

Google hat aus vielen Gründen den BigBrotherAward 2013 erhalten: Google ist ein Konzern, der aus Wissen und Daten ein Geschäft macht und dafür auch noch ein Monopol anstrebt. Google arbeitet intransparent – es ist unbekannt, wie die Treffer auf Suchanfragen zustandekommen und wie sie angeordnet werden. Außerdem sammelt Google ungeheuer viele Daten über seine Benutzer und muss durch den Patriot Act mit Geheimdiensten kooperieren. Gleichzeitig ist Google sehr zurückhaltend mit dem eigenen Wissen: Nur die ersten 1000 Treffer einer Suche werden angezeigt. Das klingt viel, ist aber nur ein kleiner Bruchteil aller Ergebnisse. Ähnliche Probleme gibt es auch bei Bing, Yahoo, Ask und Co. Das Geheimnis liegt im Index.

Beim Suchen kommt es auf den Index an

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Suchmaschinen sind so gut wie ihr Index. Das ist die Sammlung der Schlagwörter, die schnell durchsucht werden kann, um die Seiten mit den gewünschten Inhalten im unübersichtlichen Internet zu finden. Der Aufbau eines guten Indexes ist kostenintensiv. Kleine Suchmaschinen, die keine oder wenig Werbung einblenden, haben oft zu wenig Geld zum Durchsuchen des gesamten Internets zur Verfügung. Ihre Suchergebnisse liefern oft nicht die gewünschten Treffer. Andere Seiten wie startpage und ixquick nutzen den Index der Großen wie Google, Bing, Yahoo oder Yandex.

Für einen offenen Webindex

SUMA-EV – Verein für freien Wissenszugang – hat einen Aufruf für einen offenen Webindex gestartet. Ziel ist es, einen frei zugänglichen Webindex zu schaffen, der von unterschiedlichen Suchmaschinen und anderen Diensten genutzt werden kann. Hintergründe erklärt Dirk Lewandowski im Interview, er ist einer der Initiatoren des Aufrufs. Etwas kämpferisch titelt Golem: „Initiative will Google mit freiem Webindex angreifen“


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Hinweis: Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht, auch nicht durch unsere Empfehlungen. Programme können unentdeckte Fehler haben, und Datenschnüffeltechniken entwickeln sich weiter. Bleiben Sie wachsam!
Der Artikel ist auf dem Stand vom 28.12.2016. Sollten Sie Fehler finden, Ergänzungen haben oder Empfehlungen bei Ihnen nicht funktionieren, geben Sie uns Bescheid.

Änderungen seit 2015: * Links korrigiert

Bilder:
Lupe: Jeffrey Beall auf Flickr CC BY-SA 2.0