16. Türchen

Dieser Artikel stammt aus dem Jahr 2014 und ist daher potentiell veraltet. Schauen Sie doch mal in unseren aktuelleren Adventskalender oder bei der digitalen Selbstverteidigung.

Nutzen Sie das Anonymisierungsnetzwerk Tor, um gezielt anonym zu surfen

Heute stellen wir in unserem Adventskalender das Anonymisierungsnetzwerk Tor vor; denn genauso, wie niemand am Kiosk notiert, welche Zeitung Sie kaufen, oder welches Obst Sie bei Ihrem Gemüsehändler anschauen, braucht niemand zu wissen, welche Seiten Sie im Internet besuchen.

Wenn Sie das Anonymisierungsnetzwerk Tor nutzen, verschleiern Sie, wer Sie sind. Auch Ihr Provider kann nicht mehr feststellen, was Sie anklicken.

Wie funktioniert Tor? - das Zwiebelsystem

Wenn Sie im Alltag eine Webseite ansurfen, können alle, die im Netz an der "richtigen Stelle" sitzen, sehen, dass Sie zum Beispiel die Digitalcourage-Website aufgerufen haben. Die "richtige Stelle" ist auf jeden Fall Ihre Internet-Anbieterin, denn Ihre DSL-Leitung geht zu ihr und er kann potentiell alles sehen, was Sie im Internet machen. Geheimdienste haben noch ein paar weitere Stellen, an denen sie mitlauschen können. Tor anonymisiert, indem es Ihre Anfragen über viele – meist ehrenamtlich – betriebene Server in Kette im Internet 'weiterreicht'. Dieses "Zwiebelsystem" von Tor funktioniert mit drei Schichten oder Servern. Ihr Computer baut eine verschlüsselte Verbindung zum ersten Server A auf. Durch diese verschlüsselte Verbindung baut Ihr Computer dann eine weitere verschlüsselte Verbindung zu einen zweiten Server B auf, dann nochmal das Gleiche zu einem ditten Server C, dem sogenannten Exit-Node (Ausgangknoten). Die Server werden zufällig aus der Menge aller Torserver ausgewählt. In dieser Verbindung kennt jeder der Server nur den Vorgänger und Nachfolger. Server A weiß, dass Ihr Computer mit B spricht, aber nicht wer C ist. Und schon B weiß nicht, von wo die Anfrage ursprünglich kam, denn er sieht nur A und C.

Durch diese Dreier-Konstruktion ist die Kommunikation so gut wie nicht zurück zu verfolgen und innerhalb des Tor-Netzes von außen nicht einsehbar, aber auch etwas langsamer.

Das Tor-Projekt leistet neben einem Anonymisierungsnetzwerk auch Forschung zur Anonymisierung. Wer wirklich verstehen will, wie anonym das Anonymisierungsnetzwerk Tor ist, und wie gut es gegen Angriffe abgesichert ist, sollte sich damit auseinandersetzen. Auf der Projekt-Seite können Sie die Entwicklung von Tor unterstützen.

Tor

Auf die richtige Nutzung kommt es an!

Manchmal steckt der Teufel im Detail. Sie sollten sich nie zu sicher fühlen, auch wenn Sie über Tor surfen. Sobald Sie sich zum Beispiel in einem Forum mit Ihrem Benutzername einloggen oder einen anderen Dienst nutzen, der Ihnen zuzuordnen ist, ist die Anonymität aufgehoben. Zudem lässt auch der verwendete Browser über den Browserfingerabdruck Rückschlüsse auf Sie zu.

Eine weitere Schwachstelle sind die Exit-Nodes. Denn dort kommt Ihr gesamter Datenstrom heraus. Damit ein Exit-Node nicht alles mitlesen kann, müssen Sie darauf achten, die eigentliche Verbindung zum Zielserver ebenfalls zu verschlüsseln (zum Beispiel mit HTTPS).

Lassen Sie sich also nicht verführen, sich sicher zu fühlen, nur weil Sie unsere Tipps beachten!

Wo bekomme ich Tor?

Sie können sich die benötigte Software kostenlos beim Tor-Projekt herunterladen. Ist Ihnen die Installation zu umständlich, können Sie bei uns einen PrivacyDongle kaufen, auf dem die Software bereits installiert ist. Digitalcourage betreibt übrigens auch einen Tor-Server (einen sogennanten Entry- und Exit-Node) für das Tor-Netzwerk.

Es ist immer gut, sich mehr als nur ein bisschen auszukennen. Beim Thema "Sicherheit bei digitalen Systemen" kann eine Lösung schnell zu neuen unerwarteten Problemen führen. Mehr über die Nutzung von Tor und die damit verbundenen Risiken - finden Sie unter anderem bei heise.de.

Bild:
von der Seite des Tor-Projekt


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Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht, auch nicht durch unsere Empfehlungen. Programme können unentdeckte Fehler haben und Datenschnüffeltechniken entwickeln sich weiter. Bleiben Sie wachsam!

Der Artikel ist auf dem Stand vom 15.12.2014. Sollten Sie Fehler finden, Ergänzungen haben oder Empfehlungen bei Ihnen nicht funktionieren, geben Sie uns Bescheid.